Mittwoch, 16. April 2014

Geisterflug

Im Internet kursieren die wildesten Gerüchte um das vermisste Flugzeug – U-Boot-Suche abgebrochen

Seit dem 8. März gilt die malaysische Boeing 777 als verschollen. Während die Ermittler davon ausgehen, dass das Flugzeug ins Meer gestürzt ist, steigt im Internet die Zahl der Verschwörungstheorien. Der neueste Netzgedanke: Passagiere und Besatzung werden auf der Militärinsel Diego Garcia gefangen gehalten.


Die 30 Quadratkilometer große Insel, die offiziell zu Großbritannien gehört, befindet sich im Indischen Ozean und dient als US-Militärstützpunkt. Die Amerikaner haben Diego Garcia bis 2016 gepachtet und nutzen das Gelände für militärische und geheimdienstliche Zwecke. Guter Stoff für Hollywood-Drehbücher – und für eine neue Verschwörungstheorie, die derzeit auf zahlreichen Internet-Blogs veröffentlicht wird.
Nach Meinung des US-Bloggers Jim Stone, der sich auf seiner Webseite mit Verschwörungen beschäftigt, soll der MH370-Passagier Philip Wood noch am 18. März eine Nachricht und ein Foto mit seinem iPhone gesendet haben – zehn Tage nachdem der malaysische Flieger vom Rader verschwand. Das Foto, das Stone auf seiner Webseite veröffentlicht hat, ist schwarz und zeigt nichts. Interessant sind laut Meinung des US-Bloggers jedoch die so genannten Exif-Daten, die bei einem iPhone 5 automatisch gespeichert und an den Empfänger mitgesendet werden. Darin enthalten: Die Koordinaten, an denen das Bild aufgenommen worden ist. Laut Stone seien diese mit den Daten für die Insel Diego Garcia identisch.
Geschichten wie diese kursieren mittlerweile massenhaft im Netz. Genährt werden sie nicht nur von phantasievollen Schreibern, sondern häufig auch von voreiligen Medienberichten oder Falschmeldungen der Behörden. Ein Terroranschlag, der Selbstmordversuch eines Piloten oder doch ein Unfall: Die Unsicherheit, das Rätsel MH370 nicht zu lösen, wächst – und gibt Verschwörungstheoretikern Stoff für Ideen. »Mit jedem weiteren Tag ohne Fund wird die Unsicherheit größer. Wie kann es sein, dass eine Boeing 777 mit 239 Menschen an Bord sich ohne eine Spur in Luft auflöst?«, heißt es in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«.
Eine andere Theorie: Wurde auf Flug MH370 eine neue Militärtechnik getestet, um Passagierflugzeuge für das Radar unsichtbar erscheinen zu lassen? »Es ist denkbar, dass MH370 verhüllt wurde, mit neuester Technik zur elektronischen Kriegsführung, die existiert und auch benutzt wird«, schreibt die Internetseite beforeitsnews.com und begründet ihre Theorie mit der Anwesenheit von 20 Mitarbeitern der Firma »Freescale Semiconductor« an Bord des Geisterfluges. Das Unternehmen aus Texas fertigt nicht nur Halbleiter, sondern soll auch im militärischen Bereich forschen.
Unterdessen wurde der erste Einsatz eines unbemannten U-Boots zur Suche nach dem Flugzeug gestern ergebnislos abgebrochen. Das Boot »Bluefin-21« war in Tiefen von mehr als 4500 Metern geraten, deshalb hatte ein Sicherheitsmechanismus es nach sechs Stunden an die Oberfläche zurückgebracht.

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